Apfelbäumchen Apfelsaftwerbung 1988

Werbefilm Prop, Miniatur-Apfelbaum

Cornelius Defries beauftragte mich, einen Mini-Apfelbaum zu bauen, der etwa einen dreimal zu langen Stamm haben musste. Er meinte, so etwa 800 Blättchen und eine geeignete Anzahl Äpfelchen müssten ausreichen. 


Ich nahm einige echte Apfeläste, baute aus Wasserrohren eine Stamm- und Astkonstruktion, d.h. wo die Äste hinkamen, lötete ich einige dünne Stahlstangen an, worauf die Äste zu stecken kamen. (Ich hatte damals bloss erst eine Acetylen-Hartlötanlage.) 


Den Stamm überzog ich mit Wachs, das ich eingefärbt hatte. Da hinein hämmerte ich mit einem eigens gemachten Hämmerchen die Borkenstruktur ein. Vor allem musste ich aber Blättchen zusammendrehen zu Büscheln und die dann anbringen.. Es waren am Ende 3000 Blättchen! 


Der Filmdreh war dann wieder hochinteressant: So ein Apfelsaft-Baum wuchs auf seiner Wiese unglaublich in die Höhe - ein riesiger PU-Stamm wurde mit dem Gabelstapler an der Kamera vorbei hochgefahren. Mein Bäumchen war bloss fürs Gesamtbild nötig. 


Am Schluss stand bloss noch der dicke PU-Stamm im Bild - und dann fielen hunderte von Äpfeln herunter. 

Ein Metallbauer hatte eine komplizierte Vorrichtung aus V-förmigen Rinnen hergestellt, in die wir für jeden Take eine halbe Stunde lang die Äpfel einlegen mussten. Etwa vier Apfel-Harrassen, also eine Unmenge! 


Dann wurde das ganze sehr langsam im Studio hochgezogen, mit vier verschiedenen Kettenzügen. Meist fiel bereits beim Hochziehen einige Äpfel herunter. Wenns zuviele waren - Neuanfang. 

Herunter fahren, wieder einlegen, dann noch vorsichtiger wieder hochfahren. Wenn alles gut ging, hingen die Äpfel also oben. 


Die Kamera - Highspeed! Sicher hundert Bilder/Sek! - ratterte hoch, bis der Kamera-Assi rief: "Speed!". Dann zog jemand an den Auslöseschnüren und die Äpfel regneten herunter. 


Einmal stand Felix von Muralt, der damals noch Kamera-Assistent war, mit einem Belichtungsmesser auf der Bühne - als die verdammten Äpfel von selbst herunterdonnerten..  Er wurde von den nicht allzu kleinen Äpfeln eingeregnet..  Bis heute denkt er, wir hätten ihm diesen Streich extra gespielt. Aber: Es war eine derart aufwändige Sache, all die Äpfel in die nicht ganz so praktische Falleinrichtung einzufüllen (die Rinnen waren in ziemlich labilem Gleichgewicht, damit man überhaupt per Seilzug auslösen konnte) - dass wir unter keinen Umständen bloss für einen Scherz die Geschichte ausgelöst hätten.. Der Kameramann, Lukas Strebel, wenn ich mich recht erinnere, hieb noch rasch auf den Auslöser der Kamera, so gab es glaub ein Filmstück von dem Vorfall... 

Atelier Defries

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