Brigham Baker vom Winde bewegte Blätter 2018

Installation zu Caravan vom Mai bis September 2018

Brigham Baker kam durch gemeinsame Bekannte auf mich. Er wollte für die Ausstellung "10 Jahre Caravan" vom Mai bis zum 22. September 2018 im Kunsthaus Aarau eine Installation realisieren. 

Seine erste Idee war: Auf dem Lichtdach eines Raumes in der Sammlung Kürbispflanzen wachsen zu lassen. 

Das haben ihm die Verantwortlichen dann nicht erlaubt: Kürbisse werden vielleicht sehr gross und schwer, auf alle Fälle müssen sie regelmässig gegossen werden - während unter dem Lichthoffenster Kunstpreziosen wohlklimatisiert herumhängen..  


Dann fiel ihm ein, Eukalyptus-Blätter oben bewegen zu lassen, so dass sie von unten wie vom Winde bewegte Baumäste wirken sollten. Geld - muss ich es erwähnen - war nicht viel vorhanden. 


Da mich die Sache interessierte, dachte ich mir ein System aus, wo keinerlei Computersteuerung nötig wäre. (Mit einem Raspberry Pi hätte sich leicht eine lebendigere Geschichte programmieren lassen..) 

Bei mechanischen Steuerungen gibts immer mehr oder weniger lange Loops, die sich mehr oder weniger rasch erkennen lassen, dann wirds langweilig. 


Schwierig war: Man durfte überhaupt nichts etwa an eine Wand schrauben. Alles musste an die stählerne Hängekonstruktion für die Lichtdurchlässige Decke befestigt werden. Ende Ausstellung musste alles ohne Sputen zu hinterlassen wieder entfernt werden können.


Ich baute drei Motoren an die Halterungen, die je ein- bis zwei Äste hin- und herbewegten. Bei zwei Motoren fräste ich einfache Kurvenscheiben, beim dritten bloss einen Kurbelarm, der diesen Ast bedächtig wedeln liess. 

Um die Geschichte unübersichtlicher zu machen, spannte ich durch den ganzen Raum feine Drahtseile, welche weit vom Motor entfernt und wild durcheinander verteilt weitere Blätter bewegten. 

Ein liegender Ast wurde hin- und hergezerrt. Ein anderer,  hochgezogen, schwankte ein wenig. Zudem blies ein Ventilator andere Äste sanft an. 


Wir merkten bald, dass von unten nur gerade sichtbar wurde, was direkt auf den Scheiben auflag. Da die Blätter über Monate an der Decke scharrten, legte ich zum Schutz stabile Folie aus. (Herumgehen durfte man interessanterweise auf der transparenten Decke, was von unten gespenstisch wirkte..)


Es gab einen Bewegungsmelder, der die Installation über Funk aktivierte, wenn ein Besucher den Raum betrat. Funk war nötig, weil eine direkte  Verbindung vom Melder unten zur Mechanik obn unmöglich war, wenn man nicht 60 Meter Kabel verlegen wollte. 


Da oben ein sensibler Ort ist, musste ich für alle Fälle Sicherungen einbauen - falls ein Motor blockiert wurde flog die Sicherung raus, bevor er heiss werden konnte (und das Kunsthaus in Brand setzte). Die Motoren liefen mit solch niederen Spannungen, dass sie langsam liefen. Eine Blockierung ist tatsächlich mal passiert: Ein Ast war runtergefallen und verklemmte.. Nach Ersetzen der Sicherung liefs wieder anstandslos. Nachts schaltete eine Zeitschaltuhr zur zusätzlichen Sicherheit jeweils alles aus.


Diese echten Eukalyptusblätter trockneten langsam aus, weshalb alles sich fortwährend veränderte. 

Übrigens: Brigham wollte diese Blätter, weil sie in seiner Heimat wachsen. Leider kamen aber im Zürcher Zoo just Koalas zur Welt, weshalb nirgends mehr Eukalyptusblätter zu kriegen waren..  Er musste welche aus Italien bestellen.. 


Von unten sah es lustig aus: Manche Besucher meinten ganz unbefangen, dass halt da oben ein Baum seine Äste hätte..

Niklaus Rüegg assistierte mir. 

Brigham Baker, Niklaus Rüegg

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