Ferngesteuerter Flügel Wundergut 2012

Theaterobjekt, beweglich und ferngesteuert

Februar bis März 2012 musste ich für Christian Jott-Jenny für das Stück: «How to kill a piano»

einen Flügel bauen, der ferngesteuert auf die Bühne fahren können sollte. 


Abgesehen davon sollte ein Roland-Keyboard so eingelegt werden können, dass es wie richtig aussah und bequem für den Pianisten war. Zudem sollten Boxen im Flügel Platz finden, um den Klang zu erzeugen sowie eine Rauchmaschine, um es wirken lassen zu könne, wie wenn er demnächst in Flammen aufgehen würde.


Weiter musste der Deckel so stark gebaut sein, dass der Pianist während des Stücks obendrauf heavy Rockgitarre spielen konnte, womöglich stampfen und tanzen.. Also musste demnach der ganze Flügel was aushalten können.


Als Antrieb kaufte ich einen gebrauchten elektrischen Rollstuhl, den ich als Klavierbank anzubauen vorsah. Der besass einen Joystick und eine Bordelektronik. 


Da ich zu der keinen Zugang via Fernsteuerung kriegen konnte, montierte ich zwei Servos mit länglich-ringförmigen Bügeln, die rechtwinklig zueinander standen und den Joystick umgriffen. Die Fernsteuerung bekam auch eine Joysticksteuerung programmiert, was zur Folge hatte, dass auf der Fernsteuerung genau dieselbe Bewegung ausgeführt werden konnte, die am anderen Ende dann der Rollstuhl-Joystick machte, bewegt durch die zwei Servos. Das funktionierte! 

Sah gespenstisch aus, als der Rollstuhl probeweise alleine auf der Strasse herumfuhr..

Der Flügel selber bekam grosse Schwingräder, gross, weil sie über Hindernisse hinwegfahren können sollten ohne zu blockieren. 

Die gebogenen Stahlteile liess ich von der Rohrbiegerei Itten in Birmensdorf herstellen.

Die Holzteile des Instruments sollten aus Sperrholz sein, der Deckel aus Verbundmaterial mit innenliegendem Stahlrahmen.. Ich wollte das Ding nach Möglichkeit leicht halten. Beine und Rollstuhl konnte man abschrauben für Transport und Lagerung.

Ich besuchte Musikintrumentenläden, schaute mir Flügel an, fotografierte und mass sie. Lenny Lang von Inqubator baute aufs Stahlskelett den wunderbaren Kasten, ein befreundeter Autolackierer sorgte für den schwarzen Glanz, eine Folienfirma machte den Steinway-Schriftzug. Das Publikum glaubte unbeirrt, der Flügel sei echt, obwohl sie ihn auf die Bühne fahren sahen! Auch der Klang überzeugte.

Die Première war, wie ich mich erinnere, im Rittersaal vom Schloss Rapperswil.. Will sagen: es gab einen Personenlift bis etwa zwei Stockwerke tiefer, den Rest mussten wir mit Muskelkraft über die enge Treppe schaffen. 

Obwohl das gar nicht mein Job gewesen wäre, half ich den Technikern nach der Vorführung beim Runterschaffen von allem – und machte mich etwa um 4 Uhr früh wieder auf den Heimweg. Genau rechtzeitig, um ein paar Partygänger per Autostopp mitzunehmen, zeigte sich..

Christian Jott Jenny https://chjj.ch/

2012