Goldfischmodell, für Rider Jack 2014

Bewegliches Silikondummy, Spielfilmprop

Goldfischmodell für eine Szene, wo der Vater im Film «Rider Jack» von This Lüscher das Aquarium des Sohns mit einer Konservendose zerschmeisst – worauf das arme Goldfischchen auf dem nassen Teppich zappeln muss.


Das Aquarium zerschmeissen:


Ich baute aus einem schweren Eisenrohr eine Konservendosenkopie, oben und unten kamen Edelstahldeckel hin, denen ich Rillen eindrehte. Sobald man das Rohr silbern gespritzt hatte und irgendeine Konservendosenpapierbanderole drumherum geklebt hatte – merkte niemand, dass es keine echte Dose war. (Beim Video habe ich die Zerschmeiss-Takes auf 50% verlangsamt.)


Eine echte Dose nahm ich nicht, weil ich wusste, dass die aus relativ dünnem Blech besteht, das im dümmsten Moment - falls es auf eine harte Kante auftrifft - eindellen kann, also nicht mehr die erforderliche Gewalt bringt, um ein Glasaquarium in Stücke zu schmeissen.

Ich wollte absolut sicher sein, dass die Dose ihren Dienst erfüllen würde, nicht nur einen Sprung ins Aquarium schlagen und dann zu Boden fallen..

(Man hätte dann das Aquarium noch einmal neu herrichten und befüllen müssen – während alle auf dem Set warten gewartet hätten..)


Aus Tierschutzgründen durfte kein echter Goldfisch im Trockenen zappeln, darum musste ein künstlicher für denjenigen her, der bis dahin im Aquarium gelebt hatte.

Ich bekam gestorbene Goldfische aus Zierfischläden, um eine Silikon-Giessform machen zu können.


Den ersten Versuchsfisch goss ich auch aus dem Form-Silikon, was natürlich falsch aussah: Weiss und nicht ganz so flexibel. Ausserdem hoffte ich da noch, dass der Fisch nicht allzu winzig sein musste – aber die Ausstattung brachte mir dann ein Foto vom richtigen Fisch: 6 – 7 cm war das ganze Tierchen! Und das musste zappeln.. Die ersten Bilder vom echten, lebendigen Goldfisch machte ich vor allem, um zu sehen, wie das Fischchen lebendig aussieht. Der kam wieder zurück in sein Aquarium!


Die Technik ist einfach: Ein Federstahlstreifen, dem zwei dünne Drahtseile entlanglaufen in Oesen, so dass sich der Streifen jeweils in die Richtung krümmt, an deren Seite das Seil verläuft, an dem gezogen wird.. Etwa so funktionieren unsere Muskeln auch.


Ich fragte mir bekannte MaskenbildnerInnen: Annerose Schwab und Ronald Fahm um Rat – Ronald gab mir weichen, transluzenten Silikon, das sich als dünne Haut erst mal in die Silikonform streichen, nach dem Antrocknen mit Airbrush von innen her einfärben und dann am Ende ausfüllen liess. 


Weil ich das Schillern von Schuppen hinkriegen wollte, verwendete ich ein wenig dieser schillernden halbdurchsichtigen Plastikfolie (für trendige Weihnachtsgeschenke gerne verwendet), schnitt sie teils mit einer Medizinal-Spezialschere sogar in Schuppenähnliche Formen. Die legte ich auf die Haut-Innenseite, bevor ich die Fischhälfte dann ausfüllte.


Als die Fischhälften fertig waren, legte ich den Federstreifen ein, den ich noch mit angelöteten Verbreiterungen versehen hatte (um zu verhindern, dass sich der Federstreifen vielleicht verdrehte). Dann kamen beide Fischhälften mit einem weiteren bisschen Silikon aufeinander, mit Drahtstückchen zusammengeklammert.


Nach dem Trocknungsprozess – war so ein Fischchen im Prinzip fertig. Bei den beweglichen führten je zwei Kunststoffschläuche bei der Schwanzflosse hinaus, durch die feine Drahtseile gingen, die am Ende mit einem gewöhnlichen langen Hebel bewegt wurden. Hebeln = Zappeln. 

Die Äuglein kamen aus dem Fischereibedarfsladen, da gabs Köderfische mit schönen Augen.

Ein Problem zeigte sich: Die trockenen Fischchen liessen sich nicht befeuchten - Silikon lässt Wasser abperlen. Eine Maskenbildnerin hatte die gute Idee: Hairgloss-Spray half..


Es waren zusätzlich noch einige unbewegliche Fischdummies nötig, weil im Film die Goldfischchen auch in einem Einmachglas herumgetragen und endlich auch in einem Tümpel ausgesetzt werden mussten – alles mit echten Fischen nicht zu machen. 

Die machte ich so, dass sie ganz wenig Auftrieb hatten, also schwimmen würden. Mit einem feinen Nylonfaden und einer Unterlegescheibe als Gewicht standen sie recht natürlich im Wasser und bewegten sich sogar, wenn das Wasser schwappte.


Weil ich mir eigentlich viel zu viel Mühe mit den Fischen machte – gemessen an dem Budget, welches im Film dafür überhaupt vorhanden war – wollte ich unbedingt wenigstens einen eigenen kleinen absurden Film damit machen. Wozu mir mein damaliger Assistent Niklaus Rüegg bereitwillig half..

https://www.maskefahm.ch/

http://www.nikla.us/

2014