Konjunkturerklärmaschine 2022

Prop - Illusion mit Funktionen

Die Filmgerberei wollte von mir eine Konjunkturerklärmaschine haben. Balz Chen übermittelte mir eine Skizze, wie die ungefähr aussehen sollte: Vier Rohre aus Plexiglas sollten da stehen, mit je einem farbigen Ball drin, Rohrzu- und Ableitungen mit Hähnen, ein Rohr mit einem Ballon am Ende (das BIP) und auch ein Manometer (um den Inflationsdruck anzuzeigen) sollten vorhanden sein. Die Bälle sollten individuell steuerbar sein, d.h. hochsteigen, wenn der dazugehörige Hahn geöffnet wurde und umgekehrt. Beim Manometer sollte auch der Zeiger sich bewegen – wenn am Zinshahn gedreht wurde. Zudem sollte auch ein gewisses Korruptionsleck sichtbar gemacht werden können: Durch Rauch. All das sollte von Hanna Cash manipuliert werden können – denn sie erklärt jeweils alle Aspekte der Konjunktur. (So dass selbst ich es fast verstehe..)

Wir besprachen alles, ich suchte die Elemente des Konjuktursimulators zusammen. Wasserhähne mit Blümchenhandgriff, die Plexirohre bestellte ich bei Akuplex, Kupferrohre, sonst für Wasserversorgung gedacht, Bögen und T-Stücke, für Elektrorohre eigentlich, Aluminium, Kunststoff, Schrauben, Federn, Schläuche etc. etc.

Der schöne eichenfurnierte Kasten wurde mir von Inqubator GmbH blitzschnell gebaut zum Glück..

Beim Plexilieferanten erbat ich mir ein identisches Stück Rohr, wie die bestellten – damit machte ich erste Versuche, indem ich einen Pingpongball darin hochblies. Ich hatte schon ein wenig Erfahrung mit der Aerodynamik solcher Elemente. Wenn man irgendwas in einem Rohr hochblasen will, klebt das dann unerklärlich unten fest, lässt sich kaum hochblasen. Der Ball blieb oft auf meinen blasenden Lippen kleben..

Komprimierte Druckluft ist auch nicht so geeignet: Der dünne Strahl führt durch irgendwelche Wirbel dazu, dass der Ball – nach unten gedrückt wird. Dafür sind aber die Seitenkanalverdichter eine gute Option: Die liefern keinen hohen Druck, aber eine hinreichende Luftmenge.. Jedoch auch hier: Bis die Bälle überhaupt hochgingen musste ich ein gekrümmtes Anschlussrohr mit Nebenlufteingang vorsehen, dazu noch eine Abstandsfeder unten über das Eingangsloch legen, weil der Ball sonst unten klebengeblieben wäre.

Guten Mutes baute ich das Gerät weiter, die gefälschten Kupferleitungen, die gefälschten Hähne.. Die hatten, ausser dass man daran drehen konnte, keine weitere Funktion. Die Hähne musste ich ausbohren, weil durch sie hindurch entweder die Druckluft fürs Manometer oder aber der Rauch für die Korruption ging oder ich sie einfach auf den Kasten schrauben musste. Ich merkte auch, dass oben auf die Plexirohre Deckel gehörten, mit zwei Löchern (damit ein einzelnes in der Mitte nicht vom Ball zugestopft werden konnte). Ohne diese wäre die Gefahr gross gewesen, dass die Bälle oben rausflogen, je nach Luftdruck..

Anfangs dachte ich, ein einzelner Seitenkanalverdichter (SKV) würde für alles genügen - von der Luftmenge jedenfalls. Aber: Wenn ich den Hahn für einen Ball öffnete, bekamen andere eventuell auch schon fliegenden Bälle automatisch weniger Luft, fielen also hinunter – und umgekehrt. Es erwies sich als unmöglich, bei bereits fliegenden Bällen einen weiteren auf die richtige Höhe zu bekommen.

Ist zu sagen: Das auf einer bestimmten Höhe Schwebenlassen eines Pingpongballs ist eine Kunst! Ein winziges bisschen mehr oder weniger Luft – er schnalzt nach oben oder fällt auf den Röhrengrund. Auf einer bestimmten Höhe bleiben – will er nicht. Am Ende musste ich vier SKV aufstellen, jeder zuständig für einen einzigen Ball. (Dass das ganze besser ging, wenn ich oben beim Deckel die Auslassöffnungen mehr oder weniger verschloss, war kein Trost. Es wären weitere Rohre nötig gewesen und hätte nicht gut ausgesehen..)

Und leicht wurde es wirklich nicht! Einer der vier Kugelhähne war weniger geeignet zum Feindosieren der Luft.. Obwohl eigentlich identisch mit den anderen.

Ausserdem: Wenn ein Ball mal auf der richtigen Höhe schwebte, war gut möglich, dass er da schweben blieb – aber auch, dass er nach oben oder nach unten schoss, ohne Vorwarnung und ohne dass man seinen Hahn auch nur ansah!

Der Helfer Moritz, welcher mir mit zwei Hähnen zur Hand ging, war sehr sensibel, darum kriegten wir es einigermassen hin.. Ausser beim Korruptionsrauch: Zuhause hatte es durch das dünne Schläuchlein gepumpt gut geraucht – beim Dreh dann etwas weniger..

2022