Migros - Kulturprozent 2014

Mechanisch bewegliche Dauerinstallation

Martin Rohr von Schmauder Rohr kam 2014 zu mir wegen eines grossen Projekts:

Migros wollte im Park im Grünen in Rüschlikon eine Installation haben, welche das Migros-Kulturprozent ins richtige Licht rückte.


2017 wechselte Schmauder Rohr den Namen – heisst jetzt Melt und Claudia Schmauder gründete Schmauder Und.


Die Agentur hatte die Idee entwickelt, ein neun Meter lange mechanische Installation machen zu lassen, welche hinter einer gekrümmten Scheibe in einem Hügel eingebaut sein sollte.

Passanten (und ihre Kinder) sollten von aussen einwirken können, so dass sich allerlei bewegen würde.


Das war natürlich Musik in meinen Ohren und ich entwickelte aufgrund der Objekte, welche die Migros behandelt haben wollte, allerhand Ideen.


Natürlich wusste ich bereits, dass Migros eigentlich fast alles im Kulturbereich unterstützt. Unter Kunststudenten hiess es immer: «Ich leihe mir das im Kulturbüro aus. Ich kopiere das im Kulturbüro. Das Kulturbüro hat eine Kamera zum mieten.»

Ich war nie drin, aber dass die Migros auch da hilfreich war, wusste ich. Und die Monte-Generosa-Bahn! Von der ich noch nie gehört hatte. Generös auch das!


Oder Tanzen im Altersheim. Oder auch ein Limmatschwimmen! Nie mitgekriegt. Das Migrosmuseum kannte ich natürlich, auch die Migros-Klubschulen. Bin in den Schulen nie drin gewesen, aber Hut ab! Nur schon die Sprachschulen..


Mit Hilfe von Niklaus Rüegg, der mir assistierte, baute ich aus Karton und Holzlatten ein Modell in Originalgrösse, um zu sehen, wie gross das dann werden würde.

Der Hügel im Park im Grünen würde in einer architektonischen Umgestaltung meine Installation aufnehmen können. (Mit, wie gesagt, einer neun Meter langen gebogenen Frontscheibe. Das schien teuer…).


Grundsätzlich wollte ich verschiedene bewegliche theatralische Szenen bauen, die z.T. elektrisch auf Knopfdruck laufen würden, jedoch auch möglichst unter Antrieb von Aussen, entweder direkt mechanisch übertragen mit Kreuzgelenkwellen, Riemen etc. oder dann, indem ein Generator angetrieben wurde, der dann einen oder verschiedene Motoren antrieb. 


So würde fast eine eins zu eins Übertragung möglich: Schneller oder langsamer drehen würde entsprechend die Bewegung auch in der Geschwindigkeit anpassen – hin- und herdrehen würde auch die Bewegung reversieren. Ausser, es wäre für die Mechanik gefährlich, dann würde eine Richtungssperre mit Dioden aktiv.


Ich wollte je nach Szene (klassisches Orchester, Tanz, Rockmusik, Altersheimstanz, zeitgenössisches Ballett) einzelne Figuren in der Art wie die antiken beweglichen Musikmaschinen zum Leben erwecken..

Migros scheint auch etwas gegen Fremdenfeindlichkeit unternommen zu haben – so kamen mir die Schweizer im Schweizerkreuz-T-Shirt in den Sinn, wo die Kinder von aussen die Köpfe verdrehen konnten, so dass die Schweizer plötzlich so aussahen, wie sie das heute ja tun..


Fürs Fumetto wollte ich einen Comic bauen, wo die einzelnen Bilder sich bewegen würden..

Und so weiter. 


Für die Sprachschule hatte ich fürs Modell eine schwarze Vasenförmige Schaumstoffform gedrechselt, die aber nicht wirklich perfekt rund war. Wenn die schwarze Vase dreht – bewegen sich die zwei Köpfe, welche man im freien Raum optisch getäuscht sieht, und sie schwatzen..


Schmauder Rohr hatten Freude daran, die Leute von Migros, welche den Fortschritt der Sache begleiteten, auch – aber dann hatte scheints der oberste Migros-Chef erfahren, was alles inklusive der Architektur (und der gebogenen Scheibe) kosten würde und er sagte das Ganze ab. 


Unsere Planungs- und Vorbereitungsarbeit wurde entschädigt aber das Projekt ist beerdigt worden. Später, hörte ich, seien auch ein paar der Leute vom Park im Grünen verabschiedet worden…

Niklaus Rüegg http://nikla.us/

2014