Nairs - Kamingeländer Christian Ratti 2009

Kunst - Realisation einer Idee

Im Juli 2009 bat mich Christian Ratti um ein Geländer für den Kulturort Nairs im Unterengadin. (Fundaziun Nairs, nairs.ch)

Ursprünglich war das Gebäude das Heizzentrum für das daneben liegende Grandhotel. Auch konnten die Gäste – das Badehaus wurde 1913 gebaut – dort Wellness treiben, worunter man auch verstand, auf einer Reit-Maschine im Gebäudeinnern die Gesundheit zu fördern.. Badewannen gab es sowieso.

Der grosse Kamin für die Heizzentrale wurde irgendwann aus Sicherheitsgründen abgebrochen, bloss noch der unterste Stumpf blieb stehen.

Der gefiel Christian Ratti natürlich und er dachte sich folgendes aus: Zunächst musste der Kaminstumpf geleert werden – bis dahin war er voller Ziegelreste und Schutt, der vom Kaminabbruch übrig war. Was der Künstler dann in Fronarbeit bewältigte.

Wahrscheinlich, weil er oft nach oben in den Himmel blickte, kam ihm die Idee, eine Plattform mit einem Panzerglasfenster darin zu bauen, wo die Besucher über eine kleine Brücke vom Haus durch ein Fenster hinaus konnten. Wenn die dann neugierig auf der Scheibe stehen würden und hinunterblickten – würde er sie von unten her fotografieren. Am Ende, und das finde ich wirklich genial, sollte eine Ausstellung in dem grossen Eingangsraum stattfinden, die Bilder in die Deckenpaneele integriert.

Zunächst brauchte es dazu ein Geländer für den Kaminstumpf. Als Recycling-Artist fand er in Zürich Wipkingen ein Haus, das demnächst abgebrochen wurde, wohin wir also fuhren und mit dem Trennschleifer das alte Geländer herausnahmen und gleich in handliche Stücke zerschnitten. Für die letzten Monate, wo das Haus noch stand, schreinerte Ratti ein Behelfsgeländer aus Dachlatten. So kostete das Material nichts und sah auch bereits ordentlich vorgealtert aus, passend zum Badehaus in Nairs.

Wir fuhren mit meinem vollen Auto über den Flüelapass (in Begleitung einer Fliege, welche hartnäckig aussen auf der Windschutzscheibe sass) nach Nairs, wo die Geländerstücke noch definitiv angepasst wurden. Es gab noch die alten Stahlringe, welche den Kamin umfassten. Ich hatte gebogene Flachstahlstücke vorgesehen, welche ich an die alten Ringe anschweisste, worauf dann das neue Geländer zu stehen kam. Mit Elektroden war das nicht allzu einfach hinzukriegen, aber es ging. Vom Brückengeländer hatte ich nichts gewusst, aber wir fanden im Gerümpel der alten Heizung uralte Kohle-Scheuereisen. Daraus bogen wir die Geländer für die Brücke, welche ich an die vorhanden Scharniere für nicht mehr existente Läden anhängen konnte. Dann gingen mir die Elektroden aus.. Aber es gab in Scuol einen Schlosser, der mir welche verkaufen konnte.

Das Geländer kam zustande..

Später machte Ratti die eigentliche Künstlerarbeit, sass unten und fotografierte die Besucher, welche herunterspähten.

Die Fotos vom Aufbau machte grossenteils Christian Ratti, die späteren von der fertigen Installation sind von mir.

Christian Ratti

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