Nike Air Werbespot 1988

Props und mechanische Effekte für einer der ersten Nike-Air Spots

Cornelius Defries, welchem ich damals assistierte, realisierte diesen unglaublichen Werbefilm voller mechanischer Effekte. (Regie Reto Salimbeni) 


Ein Skelett steigt aus seinem Grab, klopft an den Stein eines Kumpels, beide wollen joggen gehen. Das eine Skelett trägt Nike Air Schuhe (die rotweissen, welche damals neu rausgekommen waren), das zweite solche, die Adidas-Streifen haben. 


Sie rennen ein Weilchen übers Kiesweglein, bis dass dasjenige mit den Adidas-ähnlichen Schuhen in einzelne Knochen zerfällt. Das Nike-beschuhte hüpft noch über einen daliegenden Baumstamm, unbeschwert und heiter - steigt dann zurück ins Grab - und stellt zuletzt noch ein Paar Nike Air vors Grab, wie vors Hotelzimmer. 


Dann erscheint auf einem Grabstein eine magische Inschrift: Nike Air - is good for your bones.



Wir schnitzten lange winzige und grössere Grabsteine, englische Puppenbauer kümmerten sich um zwei Skelette von ca. 70 cm Grösse, Cornelius modellierte kleine Turnschuhe, die er mit Spezial-Kunststoff abgoss, der eine dünne Haut erlaubte, während innerhalb Schaumstoff entstand. So dass die winzigen Schuhe so nachfederten, wie echte in gross..  


Ich baute ein kleines eisernes, verrostetes Friedhofstor, installierte in einen (Kunststoff)-Totenkopf Augen, die herumblicken konnten, sowie ein "Augenlid" aus einem halben Pingpongball. Alles von fern beweglich mit Bowdenzügen, Motoren etc. 

Das schwierigste war eine Knochenhand, echte Menschenknochen aus dem Fundus von H.R. Gigers Lager, die das echte Paar Turnschuhe aus dem Grab heraus hinstellen musste. 

Ich konnte mit verschiebbaren Stangen die Finger öffnen und schliessen. Dass die Schuhe nicht aus den Knochenfingern rutschten, bevor ich die Hand öffnete, war schwierig. 

René Lang integrierte in die Air-Kammern der Nike eine mechanisch (durch verschiebbare Hülsen) dimmbare halogenglühlampe von ca. 50 Watt. Ich legte eine dünne Messingrohr-Stromführung dafür, damit man ja nichts hinter den Schuhen erkennen konnte. 


Die Puppenbauer lagen auf einer Alu-Trass-Brücke über dem Weglein, so dass ihre Marionetten-Skelette auf den Boden herabhängen konnten. Wir andern alle schoben den fahrbaren Untergrund, das Kiesweglein unter ihnen dahin, während die Marionetten an Ort rannten. 

Gedreht wurde das alles im Palais Extra, das damals noch nicht das Palais Extra war, sondern leer stand. 

Die magische Schrift auf dem Schluss-Grabstein war in PU-Schaum eingedrückt, mit ausgesägten Buchstaben vertieft. Diese Vertiefungen waren mit grauem Staub gefüllt, so dass anfangs der Stein einfach unbeschrieben schien. 

Ein Vibrator schüttelte dann - für die Kamera unsichtbar - den Stein, so dass der Staub rausrieselte - und die Schrift erschien, wie durch Zauberei...


Da Nike Amerika den Film abgelehnt hatte, weil sie nicht mit morschen Knochen, sondern mit jungen gesunden SportlerInnen werben wollten, wurde es beinahe unmöglich, dass wir den Film fertigstellten. Danach wurde er ein einziges Mal im Kino Corso in Zürich gezeigt - weil das Bedingung war für die Teilnahme an der Cannes-Rolle. 

Wir alle sassen im Kino, bis unser Film gezeigt war, dann verliessen wir den Saal sogleich wieder. Einen Preis bekam der Film meines Wissens nicht, ob ich ihn noch irgendwo auftreiben kann, weiss ich nicht. Immerhin: Um diese Turnschuhe ging es, welche man im Youtube-Film sieht.

Atelier Defries und Filmcrew

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